Tag 16 Meile 186,6-205,7

Die Nacht war mild. Man merkt, dass wir gestern einige Höhenmeter hinter uns gelassen haben.

Die ersten Meilen führt der Trail durch einen Wald voller Nadelbäume. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Nadelbäume jemals so gut gerochen haben! Das Laufen auf dem Waldboden fällt leicht und ich genieße die angenehm kühle Luft.

Und dann war es, als habe man eine unsichtbare Wand durchbrochen. Die Hitze der Wüste war wieder da und umarmte mich kräftig. Der Trail wurde wieder sandiger, Echsen raschelten im Gebüsch und ich sah meine erste Klapperschlange! Es war jedoch keine große und sie war zu schnell wieder im Gebüsch verschwunden um ein Foto zu schießen.

Dann erreichten wir den 200 Meilen Marker. Richtig freuen konnte ich mich nicht. Zu geschafft war ich bereits von der Hitze und den stetigen Berg ab gehen. Daher musste mein Schatten für das Foto herhalten.

Das tückische an diesem Tag war, dass man schon ziemlich früh den Highway gesehen hat. Somit wussten wir wo wir hinmüssen und so weit weg sah es gar nicht aus. Aber der Trail schlängelte sich in endlosen Schleifen um den Berg herunter. Die Meilen wollten einfach nicht weniger werden und die Füße taten irgendwann so weh, also hätte ich seit einer Woche Highheels an. Allerdings habe ich überhaupt keine Kniebeschwerden! Auch ganz ohne Tape.

Kurz vor unserem Tagesziel trafen wir auf einen Wanderer, der ziemlich erschöpft auf einem Felsen saß. Ihn hatten 8 Bienen gestochen, davon musste er sich erholen. Im Wasserbericht wurde sogar davor gewarnt, dass es auf einer Strecke von circa 1.5 Meilen vermehrt zu „Bienenangriffen“ kam. Wir stellten sicher, dass der Hiker genug Wasser hat und er musste uns mehrmals versichern, dass er keine Allergie hat.

Dann endlich, nach gefühlten tausend Meilen, kamen wir am Wasserhahn an! Und es war wirklich ein Hahn. Von einem Wassertank einige Meilen entfernt ging eine Pipeline ab und an dessen Ende befand sich der Wasserhahn.

Also wurde schnell Wasser für die nächste Etappe gefiltert und das Zelt aufgebaut. Das wäre mir dann noch beinahe weggeflogen. Schließlich befanden mir uns fast im Tal, welches auf dem PCT wohl eine der windigsten Strecken darstellt. Der Wind fegt nur so durch das Tal und überall stehen zig Windkraftanlagen.

Als ich im Zelt lag, sah ich noch wie der Wanderer mit den Bienenstichen ankam. Beruhigend zu wissen, dass er den Abstieg geschafft hat.

Ich bin völlig erledigt. Trotzdem genieße ich den Sternenhimmel noch eine Weile. Wegen dem Wind habe ich nur mein Innenzelt aufgebaut. Außerdem ist fast Vollmond. Unglaublich wie hell dieser ist, sobald kein künstliches Licht mehr vorhanden ist. Mehrmals bin ich sicher gegangen, dass meine Stirnlampe aus ist.

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