Tag 74 Meile 903,3-ca.914,9

Heute früh sind wir alle zusammen frühstücken gefahren, bevor wir wieder zum Trail aufgebrochen sind.

Gegen kurz nach 10 ging es dann los und ich spürte starke Wadenkrämpfe. Blöd, dass es anfangs stetig Berg auf ging. Die Krämpfe wurden nach kurzer Zeit besser und ich sah, dass Rita an einer Weggabelung auf mich wartete. Ich winkte ihr zu zum Zeichen, dass ich gesehen habe wo sie abbiegt.

Irgendwann dachte ich jedoch, dass wir nicht auf dem Weg sind, den wir vor zwei Tagen gelaufen sind. Es ging Berg ab, wobei es eigentlich Berg auf gehen müsste, und wir kamen an keinem See vorbei. Die anderen drei waren außer Sichtweite und mein GPS zeigte an, dass ich tatsächlich nicht mehr auf dem richtigen Weg war.

Also lief ich zurück, bis ich schließlich wieder auf den Pfad traf, den wir vor zwei Tagen bereits genommen hatten. Nach 3,5 Meilen kam ich wieder auf dem PCT an. Von den anderen war jedoch keine Spur zu sehen und ich wusste nicht ob sie hinter oder vor mir waren. Ich rief Mary Ann an und fragte sie ob sie vielleicht weiß ob wir einen anderen Weg zurück zum PCT nehmen wollten. Ich war zwar bei der Planung dabei, aber ich kann auch einfach etwas falsch verstanden haben. Doch Mary Ann war, wie ich, der Meinung, dass wir den selben Weg zum PCT nehmen wollten wie vor zwei Tagen, als wir vom PCT Richtung Parkplatz liefen.

Als ich die anderen telefonisch nicht erreichte lief ich erst einmal los. Ich wusste, dass in circa 6 Meilen eine Weggabelung kommt, an der sich der PCT und JMT für einige Meilen trennen. Da der JMT dort schöner sein soll haben wir geplant den JMT zu gehen und wieder auf den PCT zu treffen wenn die beiden Trails wieder zusammen verlaufen.

An der Weggabelung wollte ich warten.

Bis dahin fragte ich alle mir entgegen kommenden Hiker ob sie die anderen drei gesehen haben. Doch alle verneinten.

Der Weg war zügig zu laufen. Es ging hauptsächlich Berg ab. Schließlich lief ich durch ein Gebiet, welches von einem Waldbrand gekennzeichnet wurde. Verkohlte Baumstämme ragten Richtung Himmel. Doch der Boden war bereits wieder voller Blumen und grüner Büsche. Auch neue Bäume wuchsen bereits und waren einige Meter hoch. Der Brand muss also schon lange her sein.

Nach knappen fünf Meilen auf dem PCT sah ich unser Zeichen in den Sand gemalt. Rita, Glen und Irish müssen also irgendeinen anderen Weg zurück zum PCT genommen haben und waren nun eindeutig vor mir. Ich traf nun auch auf einige Wanderer, die sie gesehen haben. Also lief ich zügig weiter, in der Hoffnung sie bald einzuholen.

Doch ich kam an die Weggabelung, an der sich JMT und PCT trennen und sah niemanden. Auch kein Zeichen. Da jedoch mehrere Wanderer gesagt haben, dass sie sie gesehen haben ging ich davon aus, dass sie bereits auf dem JMT waren. Ich hinterließ unser Zeichen im Boden und begann den Anstieg, der direkt nach der Gabelung anfing.

Mir kamen mehrere Wanderer entgegen, doch keiner hatte die drei gesehen. Das war komisch und ich war mir plötzlich nicht mehr sicher, dass sie wirklich vor mir waren. Also setzte ich mich an den Wegesrand und machte Pause.

Nach wenigen Minuten kamen Rita, Glen und Irish dann tatsächlich an mir vorbei! Sie hatten Mittagspause gemacht und auf mich gewartet. Das erklärt, warum sie plötzlich kein anderer mehr gesehen hat. Und ich muss einfach blindlings an ihnen vorbei gelaufen sein.

Dass wir direkt am Anfang einen anderen Weg zurück zum PCT nehmen wollten, war tatsächlich nicht geplant. Und da ich es nicht wusste, dachte ich, dass ich falsch gelaufen bin. Rita hatte zwar ein Zeichen in den Boden gemalt, doch das hab ich nicht gesehen.

Aber glücklicherweise haben wir uns wiedergefunden!

Dann sind wir noch einige Meilen auf dem JMT gelaufen, bis wir einen Zeltplatz gefunden haben.

Auf dem Weg dorthin wurden wir jedoch von hunderten Mücken belagert. Scharenweise ließen sie sich auf meinen Beinen und meinem Gesicht nieder. Schließlich zog ich mein Mückennetz über den Kopf, doch für eine lange Hose war es mir eindeutig zu warm. Heute war der erste Tag, an dem ich wirklich genervt war von den Mücken. Wir hatten nicht einen Meter lang Ruhe und liefen einfach nur schnell weiter.

Gott sei Dank kühlt es am Abend ab und morgen früh ist es den Mücken sicher noch zu frisch und wir können erst einmal ohne Belagerungen loslaufen.

Ein Kommentar zu „Tag 74 Meile 903,3-ca.914,9

  1. Mensch Löle,
    der 74. Tag las sich irgendwie wie ein Krimi. Gott sei Dank habt ihr euch wiedergefunden.
    Also „Good Luck“
    Gruß
    Harry

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s